19.08.2011 (m) – Trebinje – Herceg Novi: 72km, 750 Höhenmeter

Wie eine Horde Elefanten trampeln sie über den Platz und um unserer Zelte. Frühsport ist wohl angesagt für die serbische Jugendgruppe. Gottseidank dauert der Drill nicht zu lange und wir können noch eine Runde pennen – bis es mal wieder zu heiß wird. Zu essen haben wir nicht mehr viel, so dass das Frühstück mehr aus planen besteht. Hat uns der deutsche VW-Bus-Fahrer doch gestern von eingien Grenzübergängen nach Montenegro erzählt, die zwar in der Karte verzeichnet, jedoch nicht passierbar seien. Da sind wir dann doch etwas stutzig geworden und Katrin fragt nun am Morgen bei der Campingplatz-Besitzerin nach. “No!”, ist ihre Antwort. Da kämen wir nicht rüber. Keine Chance. Und so ist unser Plan, durch die Hintertür nach Montenegro zu fahren, dahin. Wir könnten den herrlichen Pass von gestern Abend un dessen 800 Höhenmeter gleich wieder hochstrampeln, dazu fehlt uns und unserern etwas ausgelaugten Oberschenkeln aber die Motivation. So viele brauchbare Straßen gibt es hier nun auch wieder nicht, so dass uns letztlich nur die Option bleibt, der Hauptstraße entlang des Flusses bis Trebinje zu folgen. Unserer Reiseführer spricht von einem angenehmen Ort mit schattigen Plätzen und vielen Cafés. Er erwähnt aber auch die dunkle Geschichte des Ortes, den viele Kroaten als “Ort voller Mörder” bezeichnen, hat doch auch hier ein schlimmes Massaker stattgefunden. Bei einer Reise über den Balkan begleitet einen der Krieg irgendwie auf Schritt und Tritt. Interessant und schaurig zugleich.
Jedenfalls erreichen wir den Ort viel schneller als gedacht nach nur 15 Kilometern. Der Hauptplatz um die Altstadt platzt fast vor Menschen, die unster riesigen, schattigen Bäumen Kaffee und Bier genießen. Arbeiten scheint hier niemand zu müssen. Ist aber auch viel zu heiß dafür. Hier genehmigen wir uns unseren morgendlichen, koffeinhaltigen Wachmacher, der heute jedoch erst mittags eingenommen wird. Es ist nämlich schon fast 14 Uhr, als wir den Ort wieder verlasssen. Die Karte und auch Einheimische sagen uns einen langen Anstieg zum Grenzpass nach Montenegro, Crna Gora, voraus. Die schlimmste Mittagshitze ist gegen 15 Uhr, als wir im Anstieg sind, bereits vorbei, auch weht ein kräftiges Lüftchen. So ist die Belastung nicht so dramatisch, wie noch auf den “Fegefeuer-Rampen” in der Republik Srpska. Die Landschaft präsentiert sich bergig und karg vor stahlblauem Himmel. Erinnerungen an Griechenland oder gar Afghanistan werden wach. Es folgt eine kurze Fahrt durch eine Hochebene, der nochmals eine steile Rampe bis zu den Grenzposten von Bosnien (raus) und Montenegro (rein) folgt. Die Formalitäten sind schnell erledigt, eine Mautschranke (3€) für die Straße dürfen wir als Radler ungeschoren passieren, schon winden wir uns in herrlichen Kehren gen Meer. Die 1000 Höhenmeter müssen ja auch auf den nun folgenden Kilometern vernichtet werden. Dies gelingt mühelos. Und nicht viel später stehen wir, von heißer Luft umweht, im kleinen Örtchen Herceg Novi. Zum Campingplatz finden wir schnell, sind es doch nur wenige hundert Meter auf der Hauptstraße. Der älteste Platz Montenegros ist wirklich nett an den Hang geschachtelt, es finden sich viele kleine, schattige Plätzchen. Wunderbar. Nachdem wir gesäubert sind und der erste Durst gestillt ist, radeln wir an der Promenade entlang in die Altstadt, wo wir in einem netten Lokal zwei Fleischplatten mit Pommes vernichten. Die Küche des Balkans lässt nicht viel Variation zu ;-) Wir ordern noch tapfer “Gegrilltes Gemüse” dazu. Je zwei Auberginen und Zucchini-Scheiben und eine halbe Tomate kosten mit vier Euro halb so viel wie die Platte mit Cevappcicci, Frikadelle, Bratwurst, Spießchen, Hühnchenschnitzel und Schweineschnitzel. Schon klar, wo hier die Prioritäten liegen, oder? Wir schlendern noch ein wenig durch die Gassen, wo Einheimische und Touristen flanieren und den “Absacker” genießen. Wir kaufen noch ein Fläschen montenegrinischen Rotwein und schlabbern diesen später in unserem kleinen “Urwäldchen”.

19Aug2011