08.01.2010 (k) – Oudomxai – Pakbeng (140km (davon 95 gebusst),  410Hm)

Laos ist ein Land mit sehr vielen Hügeln und Bergen und sehr, sehr viel Grün. Und in diesem Grün sind Dörfer verstreut. Durch das Grün schlängeln sich ein paar sehr gut geteerte Straßen mit wenig Verkehr, was dem Land unter Radelfreunden den Namen „Fahrradies“ eingebracht hat. Entlang dieser Teerwürmer stehen natürlich auch Dörfer. Und die sind voller Kinder, wie in den Berichten bereits häufiger zu lesen war. Manchmal kann es auch als anstrengend empfunden werden, dass man beim auf dem Fahrrad zwar den ganzen Tag draußen ist, aber eigentlich nie so richtig in der Natur und eigentlich nie allein oder unbeobachtet. In den Dschungel neben der Straße kann und will man nicht einfach vordringen. Und wenn man einen schönen Platz fände, um ein Päuschen zu machen, so ist man sicher umringt von freudestrahlenden Kindern oder anderen, interessierten Dorfbewohnern. Was ich eigentlich als spannend empfinde, nervt Philip zurzeit und er möchte – einmal negativ ausgedrückt – so schnell wie möglich raus aus der mit Kindern besiedelten „grünen Hölle“. Deshalb hat er auch gestern mit Franzi nicht die angedachte kurze Etappe gewählt, um die Strecke bis Pakbeng in drei Tage einzuteilen, sondern die beiden sind 95 Kilometer gefahren und erreichen daher heute schon den Ort am Mekong. Um sie einzuholen bleibt uns wohl keine andere Wahl: wir müssen bussen! Denn 140 Kilometer sind doch zu viel für einen Tag nach Genesungstag. So sitzen wir also im Airconbus Richtung Pakbeng, mit Karten bis Muang Houn. Airconbus heißt immer wenig Platz für Gepäck. Keinen Dachträger, keine Fächer im Personenraum, nur ein paar lausige Gepäckfächer im unteren Bereich. In eines dieser ist gerade mein Fahrrad gequetscht, und solange wir noch nicht losgefahren sind, müssen wir stets mit einem Auge auf die Zulader schauen, denn bestimmt kann man auf den restlichen Platz von einer Handtaschengröße noch einen 50 Kilogramm Sack Reis pressen und ein Koffer von einem Quadratmeter passt doch auch noch auf diesen schwarzen Packsack!? Was soll da drin sein, ein Fahrrad? No problem. Molles Fahrrad steht unterdessen im Mittelgang des Busses, ganz vorn, kurz nach dem Eingang. Alle Mitreisenden müssen sich erst daran vorbei bzw. darüberpressen, um zu einem freien Sitz zu gelangen. Dann müssen sie sich zurückpressen, um noch Mandarinen zu kaufen. Dann müssen sie sich wieder darüberpressen, um die Mandarinen zu ihrem freigehaltenen Sitz zu bringen. Dann müssen sie sich wieder zurückpressen, um noch eine zu rauchen. Dann müssen…Hätten wir gewusst, dass der Bus erst um 8.30 Uhr fährt und nicht um 8.00 Uhr, hätten wir das Fahrrad nicht schon um 7.45 Uhr eingeladen. Wobei, sicher ist sicher. Sonst stünde hier vielleicht jetzt der andere, Zweiquadratmeterkoffer, der neben dem Eingang steht. Es kommt ja nicht oft vor, doch es nervt fast schon wieder bevor es losgeht, dieses bussen. Letztlich setzt sich das Gefährt in Bewegung, und zweieinhalb Stunden lang werden wir eingepfercht unter all unseren Packtaschen über die Strecke chauffiert, die gestern Philip und Franzi gefahren sind. Vor allem Khmu leben in diesem lieblichen Flusstal des Nam Beng. 55 Kilometer vor dem Zielort stolpern wir hinaus in die pralle Sonne, beladen die Esel, die keinen Schaden genommen haben, und machen uns auf den hügeligen, aber sehr schönen Weg. Die Dörfer sind heute wieder randvoll mit fröhlichen, kreischenden, winkenden Nackedeien. Getreide wird gestampft, Bambus zu Ringen und Körben geflochten und heute besonders viel gesponnen, wie zu Omas Zeiten. Noch 20 Kilometer müssen wir fahren, als die Straße sich von den Dörfern löst und nur noch der Urwald und der Fluss unsere Begleiter sind. In einer schönen Abfahrt in angenehm kühler Luft geht es hinab zum Mekong. Wir sind wieder mal angekommen, an diesem Strom, der uns nun schon ziemlich lange immer wieder begleitet. Ja wenn man auch von Tibet bis nach Saigon fließt – kein Wunder. Philip und Franzi haben wir auf dem Rad nicht eingeholt, sie haben gut zwei Stunden vor uns ein wunderschönes Gästehaus mit Mekongblick bezogen und heißen uns vom Balkon aus Willkommen. Pakbeng liegt gemütlich in der Mittagssonne. Nichts ist zu merken vom angekündigten Partyrummel oder „Disneyland“. Wir sind gespannt, wie es wird, wenn erst mal all dies betrunkenen, bekifften Traveller nachher von den Booten hier einfallen. Für einen Zwischensnack wollen wir den Inder testen. Die junge, laotische Bedienung fragt zweimal nach, ob wir auch „food“ wollen, nicht nur „drink“. Dann steht fünf Minuten später der Inder persönlich im Sportdress vor uns. Er wollte gerade mit dem Badmintontraining beginnen, als sie in angerufen haben, dass da um 16.00 Uhr vier Europäer was zu essen wollen. Schnell notiert er die beiden Currygerichte, verschwindet in der Küche und kurz darauf wieder zum Badminton. Sehr gelungene Kocheinlage – wir reservieren einen Tisch für heute Abend!  Mit zwei Sunsetbieren schlappen wir hinunter zum Fluss und setzen uns in den heißen, feinen Sand. Malerisch liegt die Biegung des großen Stromes vor uns, der hier sehr schmal ist und sich zwischen scharfkantigen Felsen hindurchwürgt. Das Ufer ist beidseitig mit tollen Stränden besandet, die sicher nur in der Trockenzeit zum Vorschein kommen. Ein paarhundert Meter von uns findet sich die Dorfjugend zum Beachsoccer ein, zwei Bambusstangen dienen jeweils als Tor. Einige Menschen schrauben etwas an den Booten herum, die wie störrische Esel am Ufer festgebunden sind und deren Blechdächer in der Sonne glänzen. Diese verschwindet langsam hinter einem Berg und taucht sodann den Fluss und das Dorf, das sich auf den Ansturm der Touristen aus Luang Prabang und aus Houay Xay vorbereitet, in ein rötliches, warmes Licht. Hier lässt es sich aushalten. Ein paar Boote legen an, einige Backpacker keuchen unter der Last ihrer materiellen Bündel die steilen Dünen hinauf, doch von Besoffenen, Partyleuten oder Kiffern keine Spur. Alles läuft ruhig und besonnen ab. Die Zimmer der Gästehäuser füllen sich leise, ebenso die Tische beim Inder, wo wir ein paar Stunden später wieder in diversen Curryvarianten schwelgen und vom Tandoor Roti, Plain Nan, Butter Nan, Garlic Nan und Mint Nan Fetzen abreißen. Auf der Terrasse unserer Herberge genießen wir den Tag mit Bob Marley zu Ende.