Nach einem schnellen Frühstück in einer Bar, die auch schon um 7 Uhr geöffnet hat, steuern wir zielstrebig den Bahnhof Franca an, von dem aus uns der schnelle Talgo Richtung Norden bringen soll. Die Karten sind fix erstanden (ca. 20 Euro), doch finden wir uns plötzlich in einer Schlange wieder, die ihr Gepäck durchleuchten lassen muss – wie am Flughafen. Die Madrider Anschläge werfen noch immer ihre Schatten. Wir hoffen mit unseren Bikes unbehelligt durchzukommen (sehen wir etwa aus wie Terroristen?), doch der spanische Beamte macht uns rasch klar, dass auch wir abzuladen haben! Obwohl eine Tafel alle Gegenstände auflistet, die nicht mit an Bord genommen werden dürfen, kann ich meinen Leatherman und das gute Norwegische Brusletto behalten. Welch eine Freude!

Da der Expresszug außer einem Haufen Touristen eigentlich nichts mitnimmt, geschweigedenn Fahrräder, sehen wir uns wieder mal gezwungen diese in den schwarzen Nylontaschen verschwinden zu lassen. Mühsam ist es schon immer, die Taschenladung am Bahnsteig entlang zu hieven, aber es lohnt sich. Der Schaffner wirft sich uns nicht in den Weg und wir stopfen unser Zeug in den Mittelgang zwischen zwei Wagons. Leider wählen wir zuerst den falschen Wagen, so dass wir nochmals von unseren Sitzen vertrieben werden und erneut mit Sack und Pack umziehen müssen. Dann aber zuckelt der Zug los und wir haben ein bisschen Muße, uns Giselas Muffins zu widmen.

Nach gut zwei Stunden purzeln wir in Figueres auf den Bahnsteig. Es ist heiß, ein warmer Wind weht. Sommer! Unter den neugierigen Blicken der üblichen Bahnhofsklientel verwandeln sich die schwarzen Taschen metamorphosenartig in zwei wunderschöne Steppenwölfe. Und schon haben wir Asfalt unter den Rädern. Weit kommen wir aber nicht: zwei Cola, ein Llomo, Croque Monsieur und Tortilla werfen sich uns in den Weg. Es sitzt sich aber auch schön in der warmen Luft unter den Schirmen in der Geburtsstadt Dalís.

Jetzt steht ein wenig Kultur auf dem Programm. Das Dalí-Haus beherbergt Kunstwerke (Schmuck, Skulkpturen, Bilder) von selbigem. Allein schon von außen ist das vom Künstler selbst entworfene Gebäude sehenswert. Drumherum die unvermeidlichen “Fressburgen” mit sich überschlagenden Angeboten billigster Burger. Der gemeine Touri nimmt derlei Angebote natürlich gerne wahr – uns ist eher nach Flucht.

Unterdessen haben sich schon dunkle Wolkentürme über uns aufgebaut, ist aber auch heiß heute. Wir radeln los, wollen heute noch zum Meer raus, auf die Halbinsel, nach Roses. Nach kurzer Fahrt entdecken wir einen ausgeschilderten Radweg, der uns über staubige, einsame Wege entlang spanischen Farmlandes in den gewünschten Ort bringt. Es ist nach wie vor sehr warm, der Wind bläst stramm von vorn. Wir fühlen uns aber wohl im Sattel und freuen uns auf den plauschigen Abend am Meer.

Am Supermarkt am Stadtrand decken wir uns mit Vorräten ein. Als ich so draußen warte, denke ich mir: hm, sind aber viele Deutsch hier! Und als wir in den ersten Camping an der Hauptstraße einchecken und ich mir derweil die Postkarten im Laden ansehe, wird mir auch klar warum: COSTA BRAVA. Hier ist das also. Eine Spritztour in das Dorf zur Promenade bringt letzte Gewissheit: Bettenburgen, aber, gar nicht so hässlich das Ganze. Die Bucht mit den im Hinterland aufsteigenden Bergen ist durchaus auszuhalten. Die üblichen Verbauungen samt Promenade und deutschen Urlaubern hingegen unvermeidlich. Nach einem sättigenden Abendessen vom heimischen Kocher gehen wir noch auf Fotosafari ans Meer. Wir brausen die Promenade entlang in den Hauptort, wo wir gerne noch ein Schnäpschen und einen Kaffee in einer kleinen Bar trinken würden. Gar nicht so einfach. Das Ufer ist mit Lokalen à la “alles wie zu Hause” zugepflastert. Wir hätten aber gerne mal gesehen, wo der Einheimische so seinen Kaffee zu sich nimmt. Und so führen uns schmale Gassen hangwärts tiefer in die Wohngebiete. Und wir werden belohnt. Plötzlich sehen wir durch zwei riesige Fenster das Innere einer Bar. Sie ist gut besucht, also nichts wie rein. Wir treffen auf einen hungrigen Mann, der sich durch die Tapasauswahl mampft, ein ruhiges, älteres Pärchen, er Bier, sie Wasser und eine größere Gruppe sehr angeheiterter Männer, die hier offensichtlich das Ende der Pfingstfeiertage mit Bier begießt. Zwei cortado und ein wirklich grooooooßes Glas “Bonet” (Verdauungsschnaps à la catalán) bringen uns ins Geschäft. Die Männerrunde ist aufgeheizt, macht Blödsinn, spaßt und trinkt. Das macht Laune und so steigen wir ins Biertrinken mit ein. Die Szene gipfelt in einer Verkaufsszene eines chinesischen Rosenverkäufers, der einen immens schweren Stand gegen den geballten Suff der Männer hat. Er bleibt aber tapfer und standhaft und es gelingt ihm fünf Rosen zu verkaufen. Dem Barkeeper überlässt er gegen ein großes Bier eines der Blümchen. Als er dieses in sich hineinleert spricht Katrin ihn auf Chinesisch an und, sie wird sogar verstanden. Leider hat der junge Mann ohne Kinder aus Shanghai keine Zeit bzw. Lust auf eine längere Konversation. Der Rosenchinese war wohl auch für die Männer der Höhepunkt des Abends und so löst sich die Gruppe langsam auf und auch wir begeben uns wieder in die warme Meeresluft.