04.10.2009 (m) – Luqu – Langmusi: 86km, 700Hm

Der Nebel wabert durch die Straßen. Die Kälte an der Nasenspitze lässt nichts Gutes vermuten. Pausetag vielleicht? Lust hätten wir schon, aber unser Visum läuft ja nicht soooo lange und auf der geplanten Route ergibt sich keine Möglichkeit zur Verlängerung – wenn wir überhaupt eine bekommen. Schimmert da nicht etwas Blau durch? Kann man sich schon einreden. Sobald der erste aus dem Bett ist und Radklamotten anhat, gibt es eh kein Zurück mehr, da hilft auch kein Meckern und Murren.

Als ich gerade durch den Gang nach unten schlappe, kommt mir schon Ji (einer der Tourenradler) entgegen und nimmt mir eifrig die Taschen ab. Draußen wartet Chue bereits in voller Montur. Uff, haben die echt auf uns gewartet. Na dann…Kaum auf die Hauptstraße eingebogen, empfängt uns ein eisiger Gegenwind. Zusammen mit dem Nebel ergibt sich eine unbequeme Konstellation, die mir, der Kälte meidet, wo immer es geht, nicht sehr entgegen kommt. Zudem steigt die Straße konstant um 500 Hm an. Innen läuft der Saft den Körper herunter, ausziehen kann man aber nichts, da der Wind viel zu kalt ist. Nur Katrin fährt in kurzen Hosen und Fingerhandschuhen. Mit zunehmender Höhe klettern wir aber aus der Nebelsuppe heraus, wo uns azurblauer Himmel empfängt. Trotzdem bleibt es wegen des Windes eisig kalt. Ji und Chue sind mit weniger Gepäck ausgestattet und daher leicht schneller. Trotzdem warten sie immer wieder. Wir fühlen uns dadurch etwas gehetzt und so schicken wir sie voraus. Sie kritzeln uns noch schnell die Zeichen des Hotels auf unsere Karte, wo sie für heute Abend Zimmer klar gemacht haben. Wir sind noch etwas skeptisch, ob wir als Ausländer da auch absteigen dürfen, andererseits aber auch froh, da wegen der chinesischen Nationalferien Unterkünfte in den Touristenspots – und dazu zählt Langmusi unterdessen zweifelsohne – Mangelware sind.

Die Straße schlängelt sich in einem ständigen Auf- und Ab durch die Landschaft und erst ein Nudelstopp 36km vor dem Ziel bringt die Lebensgeister soweit zurück, dass wir die Strecke noch irgendwie runterspulen können. Eine lange Abfahrt lässt nochmals Hochgefühle aufkommen, ehe eine letzte Steigung über drei Kilometer ins Dorf führt. Wir waren zwar noch nicht in Tibet, aber dieser Ort – Langmusi – ist wirklich sehr ursprünglich tibetisch. Wow. Eine ganz heimelige, ruhige Atmosphäre liegt hier über den Dächern und in den Gassen. Wir fahren die Hauptstraße entlang, ehe wir vor einem Guesthouse stoppen und unsere Karte mit dem notierten Hotel zeigen. Der Mann gibt uns zu verstehen, dass wir hier nicht unterkommen und faselt was von „your friends“, ehe wir auf einen Wink seinerseits einem kleinen Jungen quer durchs Dorf hinterherfahren und wenig später vor einem kleinen Holztor haltmachen. Eine lächelnde Frau mit schwarzem Kopftuch bittet uns herein. Wir stehen in einem kleinen Innenhof, von dem mehrere Holzgebäude abgehen. Vor uns ein kleiner Gemüsegarten, daneben eine Wasserstelle. Alles wirkt sehr sauber und aufgeräumt. Der kleine Junge grinst unentwegt und hilft uns beim Abladen der Räder. Wir bekommen ein kleines Zimmer mit einem großen Doppelbett (auf einer Strohauflage sind mehrere Schichten Decken aufgelegt). Die Kommode ist mit allerlei Krimskrams von in Folie gepacktem Panda bis Kalenderblättern von schnellen Autos, belagert. Es wirkt wie ein verlassenes Kinderzimmer (was es wohl auch ist). Wir machen uns ein bisschen frisch und schlendern dann, begleitet von den letzten Sonnenstrahlen, durch die Gassen. Zig kleine Häuschen, mit Holz und Steinen gedeckt, bilden den Kern der Siedlung, die von Stupas, kleinen Pagoden, Gebetsmühlengängen und sogar einer Moschee durchzogen ist. All das vor einem herrlichen Bergpanorama , das ein wenig an die Dolomiten erinnert. Auf den seitlich aufragenden Hängen thronen zwei schöne Gompas aus dem 18.Jahrhundert (Lama-Klöster), deren goldene Dächer in der Abendsonne glänzen. Kaum ist diese jedoch hinter den Bergen versunken, weht eisige Winterluft durch die Straßen und Gassen. Wir eilen zurück und suchen uns ein schönes Restaurant, das uns das leckerste Essen seit Zhangye beschert. Dies lässt uns leicht über die zugigen Fenster hinwegsehen. Wir wärmen uns von Innen – basta. Abends sitzen wir dann noch bei angenehmer Ofenwärme im Wohnzimmer des Guesthouses und plaudern mit Ji und Chue (soweit das eben geht) und später noch dem Hausherren, der sehr, sehr freundlich ist, wie übrigens die gesamte muslimische Familie. Das Point-it kommt zum Einsatz und so erfahren wir noch von einer alternativen Route nach Tank Ke (Tanggor), die sogar weitestgehend geteert sein soll.

04Okt2009