16.01.2009 (k) – Ruhetag mit Kochkurs

Ruhetag heißt ausschlafen, Frühstückscafé im Ort suchen, futtern, dass die Bedienung sich vergewissern muss, dass es sich um eine zusätzliche Bestellung handelt und nicht um eine Änderung derselben. Philip und Franzi erledigen sodann ein paar Besorgungen, Molle bleibt gleich im Café und tippselt vergangene Tage in den Blog und ich fahre auf eine Erkundungstour. Mich interessiert der Zustand der Offroad-Strecke, die wir vor ein paar Tagen angedacht hatten zu fahren, es aber aufgrund der Erfahrung mit den extrem steilen Stücken bei Phrao nicht gewagt hatten. Wollten wir doch nicht 50 Kilometer durch (wahrscheinlich) trockene Schlammpiste schieben. Bis zur Einmündung nördlich von Pai sind es nur ein paar Kilometer, dann folge ich der Beschilderung in ein schmales Betonsträßchen. Es geht steil bergauf, hinein in die Hügel, die im Moment der Rhön Ende November ziemlich nahe kommen. Braun liegen sie vor mir, die Laubbäume haben schon viele Blätter abgeworfen oder zumindest dunkel gefärbt. Ich fahre nur wenige Kilometer, denn das Sträßchen wirft sich nach dem Anstieg mit schönem Ausblick steil hinunter, um sich am Gegenhügel wieder hinaufzuschwingen. Angesichts der Tatsache, dass ich ja alles, was ich hinab fahre wieder hinauf muss, halte ich mich mit meiner Erkundung zurück. So oder so – irgendwann wird wahrscheinlich der Belag enden, doch ob das in zwei oder in zehn Kilometern ist, kann ich nicht voraussagen. Selbst wenn alles betoniert wäre – die Steilheit der Strecke wäre mit Gepäck wohl kaum gesundheitsorientiert bewältigbar gewesen. Als Mountainbiketour aber bestimmt reizvoll. Um zurück nach Pai zu kommen, folge ich der Straße im Tal noch weiter, denn sie überquert den Pai-Fluss und führt auf der anderen Seite zurück in die Hippiestadt. Auf dem Weg sehe ich einige toll hergerichtete Bullis von der ersten Charge, Künstlerhäuser und Edelresorts. Hier ist viel Geld und Geist unterwegs.

Nach einem Blaubeershake bei Molle im Café und einem Thai-Fastfood-Snack treffen wir uns mit Philip und Franzi in Pougys Haus, um die Gerichte für den heutigen Kochkurs festzulegen. Um für folgende Gerichte einzukaufen ziehen die beiden dann mit Pougy, unserer Kochlehrerin auf den Markt: Tom Yum mit Schrimps, Grüner Papaya Salat, Northern-Style crispy noodles with Chicken, Fried Fish with Basil and Chili, Panaengcurry with Pork und Banane in Kokosmilch.

Während Philip und Franzi die feinen Produkte auswählen, schwimmen Molle und ich noch eine Runde im Badeteich unseres Pairadises (so der Name des Resorts) und machen uns frisch. Wieder vereint beginnt eine gute Stunde später die Arbeit: bei Pougy in der Küche wird eine Bambusmatte ausgerollt, darauf fangen wir an, Pilze und Tomaten zu schneiden, den Galgant zu töten, die Riesengarnelen zu entkacken. Pougy erklärt nebenher und unterstützt uns tatkräftig. Im Unterschied zum Kurs an einer Kochschule haben wir hier nur zwei Kochstellen, das bedeutet Teamarbeit. Man hat zwar weniger zu tun, aber es ist nicht weniger informativ. Kommt dem gemeinsamen Kochen zu Hause sehr nahe. Die Suppe dient als erste Stärkung und mundet vorzüglich. Currypasteklopfen ist als nächstes angesagt. Und wer Erfahrung hat weiß, dass am Ende keine Einzelbestandteile mehr sichtbar sein dürfen. Zu viert mit zwei Mörsern ist es wenigstens nicht so schweißtreibend, da bleibt auch mal Zeit für einen Schluck kühles Leo (Bier), das Pougys Mann Stefan für uns Bayern mit dem Moped geholt hat.

Das Besondere an dem nordthailändischen Nudelcurry sind die „crispy noodles“. Man frittiert ganz einfach ein paar der Eiernudeln und gibt sie als Topping auf das Gericht. Frittierte Nudel mit Salz sind übrigens auch ein hervorragender Fernsehsnack, falls mal nichts vorrätig ist. Bitte nur gekochte Nudeln frittieren! Für den grünen Papayasalat eignen sich bei uns zu Hause auch Gurken, wie wir ausprobieren konnten. Das Dressing hat es in sich. Pougy wirft gut zwei Handvoll kleine grüne und rote Chilis samt Stil in den Holzmörser. Mit Fischsauce und Limettensaft zerstampft eine dermaßen scharfe Mischung, dass auch die zwei Esslöffel Palmzucker nicht mehr viel ausrichten können. Endlich haben wir es geschafft: Philip findet ein Essen scharf! Hat er doch bis jetzt felsenfest behauptet, in diesem Urlaub gäbe es einfach nichts Scharfes zu essen. Naja, wenn man auch so viel vorher zu Hause trainiert. Jetzt jedenfalls muss auch er passen und bekommt leicht glasig-rote Augen. Die Dauer des Fisches im heißen Frittierfett und das Anfertigen der Gemüsesoße sorgen aber dafür, dass das Brennen im Mund vergeht und wir den knusprigen Fisch mit Basilikum wieder genießen können.

Den Klassiker Panaeng-Curry bekommen wir gerade noch gut in unsere gefüllten Mägen hinein, doch wie bereits gedacht, tut sich Banane in Kokosmilch nach all den Köstlichkeiten schwer, als Favorit das Rennen zu machen.

Stefan mit nacktem Oberkörper im Sarong gibt uns unterbewusst zu verstehen, dass der Kurs wohl nun bald sein Ende finden sollte. Wir sprechen noch kurz die Rezepte mit Pougy durch, doch im Grunde ist alles klar, wir haben ja gut aufgepasst.

Die Mägen schreien nach einem Schnaps, wir schwenken auf dem Rückweg in eine Bar mit Liveband ein. Nach der ersten Getränkerunde wollen wir es den Thailändern gleichtun und das bestellen, was man hier gewöhnlich schon mittags zum Essen aber auch spätabends zur Musik trinkt: Flasche Whiskey, Cola, Berg Eiswürfel, Sodawasser. Die Literflasche trauen wir uns aber doch nicht zu, und so wählen die Experten Philip und Franzi ein 0,3 l Fläschchen Thai-Rum aus. Die Flower-Reggea-Band wird von einer Dreimanngruppe abgelöst, die hervorragend das übliche Repertoire an Populärmusik covert. Als das Datum umspringt machen wir uns auf den Rückweg. Morgen müssen wir das Pairadise ja verlassen, dem Loop weiter folgen.