Mittwoch, 29.06.2010 (k)  Salo – Pargas: 68 km, 350 Hm

Die Finnen flippen um Mittsommer herum ja aus. Während wir um die Stunde, um die die Sonne in Mitteleuropa gewöhnlich verschwindet (was sie hier ja nicht tut), die dritte oder vierte Schicht Kleidung anlegen und die Mützen unseren Kopf vor den Mücken und der steifen Ostseebrise schützen, springen sie immer noch in Hotpants und Muskelshirts herum. Nicht, dass ich verfroren wäre. Der Grund ist klar und jetzt stand es sogar dick und fett auf der Titelseite der Tageszeitung: es ist „Super Helle!“. Wir haben tatsächlich seit dem Regen vom 24. nur blauen Himmel und Sonne jeden Tag. Die Sonne ist unerwartet stark, vielleicht trifft sie unsere Gesichter auch so gut, weil sie relativ flach steht. Jedenfalls müssen wir kräftiger schmieren als je zuvor auf der Reise. „Super Helle“ oder besser „Super Heiße“ wirft uns jedenfalls gegen halb acht aus dem Zelt, Nachbars sind sowieso schon auf. Mit gemütlichem Frühstück und Einpacken sind wir kurz nach 9 am „Super Markt“, um noch den Tagesbedarf zu decken. Bis Karinaa folgen wir mehr oder weniger der Königsstraße, es sind wieder sehr schöne Abschnitte auf unbefestigten Straßen dabei, in bekannt hügeliger Manier. Nach einer Unterhaltung mit einem netten Finnen und seiner Frau im Zug von Sankt Petersburg habe ich mir vorgenommen, vor Verlassen dieses Landes einen Hesburger zu vertilgen. Hesburger, so hat er uns vorgeschwärmt, sei das finnische McDonalds und man bekäme dort „super günstig Super Burger“. Als uns der Hunger alle schon in seinen Würgegriff genommen hat und unsere Straße gerade auf die Autobahn und damit auf eine solche Raststätte trifft, kommt das „Hesburger“-Schild wie gelegen. Ergebnis: vier Rinderbrötchen mit Scheibli finden unbemerkt eine Ecke in unseren Mägen – Kennern zufolge geschmacklich wie ein gewöhnlicher Cheeseburger. Nur trägt er hier den wohlklingenden Namen: Justoohampurilainen. Folge: Brotzeit raus und was Richtiges essen!

In Kaarina verlassen wir die Königsstraße, die nach Turku führt und wenden uns gen Süden. Wir wollen über ein paar Inseln nach Aland und von dort nach Schweden hüpfen. Obwohl sehr viel Verkehr auf der Straße herrscht, stört es uns nicht, denn wir gleiten auf dem Radweg parallel dazu. Viele Länder könnten sich bitte einmal ein Beispiel am finnischen Radwegenetz nehmen, und nicht immer nur am Schulsystem!

Nach weiteren 15 Kilometern ist unser Etappenziel Pargas erreicht. Wir decken uns im „Super Markt“ für eine schöne Grillage ein – wenn es schon mal „superhelle“ ist, dann muss man grillieren so oft es geht! Der Campingplatz liegt richtig toll auf abgeschliffenen Felsen im Kiefernwald. Küche, Grill, Badesteg, Sanitär – alles mit einmal umfallen erreicht! Matze hat heute zwar kein Anglerglück – bzw. lässt er den 40 cm Hecht, den er herauszieht, sich lieber noch vermehren. Doch im Angesicht des Tisches gefüllt mit Hühnerbrüsten, Grillspeck, angemachtem Feta, Kartoffeln und mächtigem Tortellinisalat wäre sein Tod auch wirklich sinnlos gewesen! Die Computer- und Internetausstattung des Campingplatzes ist gut, und so nutzen alle noch ein wenig das Netz, um Neuigkeiten zu verbreiten oder zu erfahren. Derweil verliert Portugal gegen Spanien. Die sind jetzt bestimmt „super traurig“.