11.11.2009 (k) – Manhaozhen – Hekou: 93km, 400Hm

Mit gemischten Gefühlen starten wir in den Tag. Letzte Etappe in China für die nächsten Monate – und wenn wir zurückkommen sind wir ja auch quasi auf dem Rückweg. Die Zeit vergeht schnell – man weiß es, aber will es nie wahrhaben. Umso wichtiger, dass man jeden Tag genießt – das gilt also auch für heute. Die Sonne wärmt schon früh die Luft und den Boden, man kann gleich im T-shirt starten. Die Mädels im Erdgeschoss sind schon fleißig am Gemüsewaschen, als wir in die Küche treten, um ein paar Frühstücksnudeln zu bestellen. Wir bekommen jeder einen großen Bottich lecker gewürzter Suppe mit Eiernudeln und Spinat.

Die Fahrt entlang des Roten Flusses bietet heute keine besonderen Aufregungen. Die Landschaft ist so schön, wie ein Flusstal eben sein kann. Das Ufer wird vorwiegend zum Bananenanbau genutzt. Die Stauden werden im Moment geerntet, obwohl sie noch grün sind, aber das ist ja bekannt. Sie reifen dann ja noch nach. Auf Gepäckpferden werden die schweren Lasten von den steilen Hängen heruntergeholt und dann auf LKW in Bananenkisten verladen. Die Straße ist relativ gut und sehr ruhig. Meine Befürchtung, dass es ab der Einmündung der Strecke von Kunming zu starkem Verkehr kommt hat sich nicht bewahrheitet, denn es gibt hier parallel eine Autobahn. Auf dieser ist zwar auch nicht die Hölle los, aber auf unserer dafür umso weniger. Häufig verläuft unsere Straße auch unter der Autobahn. Im Schutz der Fahrhaben haben Menschen ihre einfachen Hütten errichtet. Billardtische und Werkstätten stehen in ihrem Schatten. Ein seltsames Bild. Die Dörfer, die wir passieren sind äußerst einfach. Viele Behausungen sind nurmehr aus Brettern oder Sperrholz errichtet. Manche scheinen fast einzustürzen. Man sieht nicht viele Menschen. Müll und sonstiger Ramsch säumt die Straße durch die Dörfer. Ab der Hälfte der Strecke liegt auf der anderen Seite bereits Vietnam. Am Landschaftsbild ändert dies aber freilich nichts. Rote Erde, grüne Hänge, rostbrauner Fluss – die Natur kennt keine Landesgrenzen!

Wir sind froh, dass die Autobahn und die Bäume, die neben der Straße stehen reichlich Schatten spenden, so dass wir trotz der hohen Temperaturen nicht gar so arg brüten! Da es sich flüssig fährt, legen wir erst nach über 60km eine längere Pause ein. Molle tituliert das Frühstück als “60-km-Nudeln”. Das stimmt – so eine kräftige, große Nudelsuppe kann einen ganz schön weit bringen. Da schieben wir doch sogleich noch eine Nudelsuppe nach, um die übrigen 33km nach Hekou genauso locker zu schaffen.

Im Grenzort angekommen finden wir wieder einmal ein nettes Hotel mit allem gewohnten chinesischen Komfort für umgerechnet 6 Euro. Mal sehen, wie das ab morgen weitergeht. Ein wenig Spannung umgibt uns schon, so kurz vor dem Landeswechsel. Aber das ist ja auch gut so. Jetzt gilt es, sich von Vietnam ein Bild zu machen, und sich nicht nur auf die Urteile anderer zu verlassen.  Den Abschied leichter wird die Tatsache machen, dass wir ja nochmal wiederkommen, wenn alles klappt. So Anfang Februar.

Gewohnte Karaoke-Klänge wiegen uns in den Schlaf. Wie kann man nur so falsch singen?

11Nov2009