Nun ist es mal an der Zeit, einen kurzen Überblick darüber zu geben, wo wir in den fast sechs Wochen seit Goa gefahren sind und was wir dabei so gemacht und erlebt haben. Also mal wieder ein Blogeintrag ganz aus unserer Sicht, mit dem Fokus auf uns. Vielleicht auch mal eine Chance, für alle Lesefaulen, sich auf den Stand zu bringen.

Die ersten 40 Kilometer von Vasco da Gama sind wir ordentlich gestrampelt. Es war schon sehr heiß. Dazu das neue Land, der ganze Verkehr, die vielen Blicke. So haben wir einfach nur reingetreten, um die schon gebuchte Unterkunft „Lazy Frog“ in Carmona zu erreichen.

Dort fanden wir eine heimelige Athmosphäre vor. Die Besitzer, Oli und Roy, ein serbisch-indisches Paar betreiben dort dieses neue und wunderschöne Guesthouse. Dazu der flotte Mitarbeiter Salvador. So akklimatisierten wir uns erst mal drei Tage. Wir pendelten zwischen Strand und Terrasse, sahen viele russische Touristen, lasen, befragten das Internet und aßen ganz gut. Ich bekam auch gleich meine ersten beiden Mückenstiche und wir diskutierten noch durch, ob wir doch eine Malariaprophylaxe nehmen sollten. Zwar war Trockenzeit und das Risiko „gering“, aber dennoch. Schließlich einigten wir uns darauf, konsequent Mückenschutzmittel zu verwenden und noch besser aufzupassen.
Weiter ging es dann immer der Küste entlang, mal auf kleinen und kleinsten holprigen Wegen durch idyllische Fischerdörfer, mal unvermeidlich auf dem National Highway 17. Das wunderschöne Capo Rama lud zur Badepause ein, dafür büßten wir in der Mittagshitze bei einem 18%-Anstieg und laaaangen Hügeln vor Agonda. Schließlich begrüßte Indien uns mit einem kleinen „Dheli Belly“, den wir in Nähe des wundervollen (sehr touritischen und europäischen) Patnem-Beaches kurieren konnten. Ein paar Tage mit Cappucchino und Porridge, Sodawasser und Wlan, sowie Sunset-Beer und Abendessen am Strand gab‘s noch obendrauf. Wir bekamen dann wirklich so langsam die berühmten „itchy feet“ – wir wollten weiter. Rein ins Land. Schauen.

Mit Karwar und Ankol bekamen wir unsere ersten „typischen“ indischen „Klein“-Städte präsentiert. Hier sind die Menschen keine Touristen gewöhnt. Sehr schön war, wie Leute sich für uns interessierten, uns halfen, uns Empfehlungen gaben, für Restaurants, für Tempel. Immer ein Lächeln auf den Lippen, immer bereit für ein kleines Gespäch mit zumindest rudimentären Englischkenntnissen.

Polizeicheckposten bei Bathkal bei der Arbeit.

Mit Gokarn erreichten ein ganz traditionelles Pilgerzentrum. Ein Stück weiter, der Kuddle-Beach, tolle Bucht, jedoch gewöhnungsbedürftige Athmosphäre mit zahllosen europäischen „Neu-Hippies“. Uns hielt es dort nicht, auch nicht die „Yoga-Farm“, auf der wir eine Nacht zu Gast waren. Der deutsche Besitzer hatte es nicht mal nötig uns zu begrüßen, dafür schrie er in schönstem Schwäbisch über‘s Gelände: „Mhhhhm, Biizzaa, lecker. Aaanjaaa, magsch du au e Schtügg Bizzzaaa?“ Für über 30 Euro gab‘s eine mehr als durchschnittliche Bleibe. Nun ja.

Wir blieben der Küste treu und wühlten uns mit GPS und Google Maps so durch und es gelang uns meist den stark befahrenen Highway zu vermeiden. Die ein oder andere brückenlose Flussmündung überschipperten wir beschaulich mit den lokalen Bötchen.

Es folgten Kumta, Honovar, Murdeshwar. Wir wählten wegen der zunehmenden Hitze nur kurze Distanzen, auch, um mehr Zeit zum Verweilen und Beobachten zu haben. Stress konnte man da nicht brauchen.

Der Straßenverkehr verlangt einem viel ab, man muss ständig konzentriert bleiben, da der überholende Gegenverkehr häufig nicht für Radfahrer aus dem Allgäu auf den Vorgang verzichtet. Dann heißt es runter von der Straße. Meist bollert man so von der Teerdecke gut 6-8 cm tiefer in die sandige oder schottrige Bankette. Dort hoppelt man eine Weile, bis man eine Stelle findet, wo man wieder auf die Straße hochkommt. Das selbe Spiel folgt, wenn man im Rückspiegel Busse oder LKW sieht. Was schön ist, diese hupen immer lautstark und viel, dafür weiß man aber auch, dass man gesehen wurde. Es lässt sich wie gesagt insgesamt recht gut fahren, wach und fit muss man halt sein.

Murdeshwar wartete mit einer leicht schmuddeligen Athmosphäre und der zweitgrößten Shivastatue der Welt auf. Der große Glanz war zwar auch hier schon verblasst, da die Witterung die Goldschicht der Statue bereits weggewaschen hatte, dazu war ein Arm abgefallen.

Aber es war trotzdem ein bisschen beeindruckend, die Figur so auf dem Hügel thronen zu sehen. Hier fiel uns erstmals auf, dass die Hindutempel allesamt nicht „schön“ sind, so wie wir das vom Buddhismus oder unseren Kirchen kennen. Oft ist es ziemlich verranzt, Müll liegt herum und es ist dunkel und staubig. Um Glanz und Gloria geht es da aber auch nicht, es wird geopfert, es werden Zeremonien gekauft, es wir Öl ins Feuer gegossen und Weihwasser geschlürft (davon hätten wir wahrscheinlich drei Jahre Durchfall), gebimmelt, gebetet und vor den Brahmanen gekniet. Die gläubigen Inder sind mega stolz auf all ihre Tempel und Statuen und ständig wird man gefragt, wie man diesen oder jenen Tempel findet. Ja hm, „very nice“ halt. Klar.

Über Bathkal, ging‘s nach Kundapura und weiter nach Udupi. Auf diesem Abschnitt war es oft nicht möglich, den NH17 zu meiden, es gab sogar einen richtigen „Highway“-Tag. Von einspurig über Baustelle bis zum fertigen vierspurigen Abschnitt gab es alls zu erleben.

Highway 17 – noch nicht ausgebaut.
Highway 17 – ausgebaut.
Highway 17 – im Ausbau.

Am Highway wird auch viel gebaut, so fanden wir dort nagelneue Business-Hotels für 15 Euro die Nacht und saubere, moderne Restaurants vor. Da ist es angenehm, wenn man nicht auf jeden Cent achten muss. Nach einem heißen, staubigen Tag auf der Straße freuen wir uns sehr über die Annehmlichkeit eines sauberen Zimmers und einer schönen (kalten!) Dusche. Hin und wieder plagen uns schon Gewissensbisse. 15 Euro, das sind etwa 1200 Rupien, nicht viel für uns. Der Tageslohn eines landwirtschaftlichen Arbeiters liegt bei 300 Rupien. Wir trösten uns stets damit, dass ein solch großes Hotel ja auch viele Arbeitsplätze schafft und wir bemühen uns, großzügig Trinkgeld an alle Bediensteten zu verteilen, die mit uns zu tun haben. Trotzdem schämen wir uns oft ob unseres „Reichtums“.

Etwa fünf Kilometer von Udupi liegt landeinwärts die Universitätsstadt Manipal. Das ist eine Retortenstadt, die sich innerhalb weniger Jahre zu einer quirligen Studentenstadt gemausert hat. Wir sind hier reingeradelt und haben mit nichts Besonderem gerechnet, da wachsen auf einmal Hochhäuser aus dem Boden und man sieht zig junge, modern gekleidete Studenten. Hoppla! Es ist toll hier. Bevor wir in die Berge starten, werden wir hier noch ein bisschen rumstrollen und den guten Espresso nebst leckerem indischen Essen bei Rockmusik genießen. Wir blieben hier insgesamt fünf Nächte. Wir hatten ja den indischen Radler Ganesh kennengelernt und er zeigte uns ein bisschen die Umgebung.

Auch nahmen wir am „Birdwatching“-Tag teil.

Daneben fuhren wir zweimal zum Tempel in Udupi, wo wir Zeugen der täglichen Prozedur wurden, wie die beiden Tempelwagen von circa 60-70 Leuten um den Tempel gezogen werden. Im Inneren sitzt der Krishna und lässt es sich gutgehen. Danach kommt er wieder ins Tempelinnere. Einmal am Tag darf er eben raus.

Wir schlemmten leckerste „Masala Dosa“, in dem Laden, der dieses Gericht erfunden hat. Noch heute gibt es zig Restaurants in Indien, die sich „Udupi“ nennen und den leckeren Reisfladen mit Kartoffelfüllung kopieren.

Im Hause der Erfinder des „Masala Dosa“ – dünner Knusperfladen mit Kartoffelfüllung und zwei Soßen

Wir stießen weiter ins Hinterland vor, zur berühmten Jain-Statue in Karkala, die aus einem Monolithen gehauen ist.

Von hier radelten wir auch in den Kudremukh Nationalpark, Wasserfall und Affen kucken, beides gelang perfekt. Es war schön, durch das dichte Grün zu kurbeln und den Geräuschen des Dschungels zu lauschen (wenn denn grade mal kein LKW oder ein Bus an einem vorbeischnaufte).

Stinknormale „Rhesusaffen“

Weiter ging es nach Mudabidri zum Tempel der 1000 Säulen.

Dort war es fast schon nervig, da wir nicht die schöne Athmosphäre des Tempels aufnehmen konnten, sondern vielmehr auf etwa 20 Fotos von indischen Gruppen gezwängt wurden.

Dazu kam ein fast „irrer“ Inder, der vor dem Tempel seine Kinder, die offensichtlich (dem Weinen nach zu urteilen) nicht wollten, auf unserer Räder hievte, um ein paar dämliche Fotos zu machen. Dann krallte es sich Katrins Rad und fuhr mit seinem Sohn auf dem Gepäckträger davon, nur um uns nach der Rückkehr zu noch mehr dämlichen Bildern zu zwingen. So was ist aber gottseidank die Ausnahme. Viel schöner war es, dass wir in Soans Farm einbogen und so die Chance bekamen mit Irvin in die Berge zu fahren und viel über ihn, die Farm und die vielen Pflazen zu lernen.

Über Bantval rollten wir auf sehr hügeligen Hinterlandstraßen nach Kasaragod. Eine laute und stark muslimisch geprägte Stadt. Die Tage wurden von nun an immer heißer und wir sahen zu, dass wir spätestens um 11 aus der Sonne kamen. Viel Zeit verbrachten wir jetzt in den Hotelzimmern. Irgendwie komisch, schade, aber was sollte man tun? Bei gefühlten 45 Grad läuft man nachmittags einfach nicht rum. Zumal eine indische Stadt eben auch nicht viel an „Gemütlichkeit“ hergibt. Also mal einen Kaffee oder eine Bierchen an der Promenade. Iss nich.
Herrlich ist es übrigens immer morgens gegen 8 Uhr loszufahren. Die LKW schlafen noch und wir teilen uns die Straße stets mit hunderten Schulkindern in ihren gepflegten Uniformen. Sie strahlen eine echte Freude und Begeisterung aus, wenn sie uns sehen. Man sieht sich zwei Stunden am Stück lächeln, „hello“ und „good morning“ sagen und winken. Wir wollen aber keinen Gruß unerwidert lassen, das fühlt sich schlecht an. Denn, wie oft sehen die wohl ein paar Touristen auf dem Fahrrad?

Vorbei am „Bekal Fort“, da sehr angepriesen wird und letztlich sehr „normal“ aussieht,

brausten wir weiter nach Cheruvathur.

Wir fanden ein tolles Hotel und entdeckten durch Zufall die Backwaters von Valiyaparamba.

Welch ein Glück! Es war herrlich dort. Die Räder machten uns frei, alles zu entdecken. Die Leute so offen, so herzlich, so fröhlich.

Viele Moscheen, viele Fischerdörfer, aufgeregte Kinder, nickende Alte. Dazu eine wunderbare Landschaft. Auch hier blieben wir drei Nächte.

Wieder galt es den Highway zu meiden und so fuhren wir erst an der Küste entlang (super schön), dann ins Hinterland, das mit knackigen Hügeln aufwartete. Das Ziel hieß Taliparamba. Hierhin verirrt sich kein Tourist. Es war zwar schon Mittag, bockheiß und wir am Ende, dennoch wollten wir in diesem Ort dann doch nicht bleiben. Und so entschieden wir uns, noch zwölf Kilometer weiter zum „berühmten“ Sri Muthappan Tempel, am Fluss Valapattanam gelegen, zu fahren. Ein “must see”, so sagte man uns. Für uns ein weiterer Hindutempel, diesmal mit Flusszugang zum Füße segnen und drumherum echte Jesolo-Athmosphäre.

Hinduistisch verankert.

Auf den letzten steilen Rampen dorthin erlitten wir beide fast einen Hitzschlag, denn es war einfach viel zu heiß, viel zu hügelig und viel zu bähhh. Wir fanden in dem Tempelörtchen zahlreiche Unterkünfte vor. Unser bevorzugtes Hotel durfte aber keine Ausländer aufnehmen und so landeten wir im Altbau daneben. Innen war das „Well View“ dann aber ganz annehmlich und auch das Personal war echt sehr bemüht. So tranken wir Wasser und noch mehr Wasser und schluckten Magnesium und Salz und versuchten wieder auf Normaltemperatur ruterzukommen. Wohl fühlten wir uns beide nicht so.

Wir waren froh, als wir am nächsten Morgen, wieder relativ fit, nach Kannur kurbeln konnten. Schon um 7 Uhr klebte unsere Kleidung am Körper – wie in der Sauna (wenn man denn dort Kleidung trüge). Leicht gestresst und genervt vergaßen wir dann auch unser Fahrradschloss auf einer Mauer vor dem Hotel. Dies merkten wir allerdings erst, als wir die Bikes am „Kaula Inn“ in Kannur absperren wollten. Aber wow, eine Telefonat und zwei Tage später war das Schloss wieder in unserem Besitz. Der Manager des „Kaula“ hatte einfach einen Fahrer geschickt, um es zu holen. Kosten dafür: 0 Rupien. Kannur empfanden wir als gemütliche, entspannte Stadt.

Ein Spruch, den wir uns auf die Fahnen schreiben können!

Wir fanden ein paar gute Restaurants und das Hotel hatte einen sehr schönen „Urlaubscharakter“.

Das alte Fort war halt wieder mal ein altes Fort, der lange Strand aber sehr reizvoll. Leider viel zu heiß, um sich dort aufzuhalten, das Baden wegen der gefährlichen Unterströmung nicht empfehlenswert. Auf dem Weg nach Kannur hatten wir den Betreiber einer Englisch-Schule kennengelernt, der uns in den Unterricht einlud. Alle Studenten blieben extra an dem Vormittag länger uns so sahen wir uns 20 jungen, strahlenden Indern gegenüber, die uns Fragen stellten und wir ihnen. Fast alle von ihnen wollen mal in die Emirate oder den Oman zum Arbeiten. So schloss sich der Kreis für uns. Hatten wir doch im Mittleren Osten so viele dieser jungen Männer getroffen, jetzt wissen wir auch, wie sie dafür kämpfen, dorthin zu kommen. Und mal wieder für 60 Minuten Lehrer gewesen. Und das im Sabbatjahr.

Von Kannur ging es nach Tellicherry

Abends besuchten wir beim nahen Sri Jagannath Tempel ein Fest. Ein bisschen Tempelzeremonie mit mega-abgehalfterten Tempel-Elefanten gab es zu bestaunen.

Dazu ein Volksfest mit Fahrgeschäften, die aber sowas von aus der Zeit gefallen schienen. Das kann man echt nicht beschreiben. Schaut euch die Bilder an.

Hart verdientes Geld und viel Konkurrenz. Erschöpfter Ballonverkäufer.

Von hier schlugen wir wieder mal die östliche Richtung ein, weg vom Highway. In Kuttyadi hatten wir per „booking.com“ ein Hotel gebucht. Das klappte toll. Nur leider war das Hotel bei unserer Ankunft dann eine einzige Baustelle – Generalsanierung nach fünf Jahren zum Erhalt der ***-Bewertung. Bingo! Die Manager waren aber recht bemüht und verhalfen uns so zu einem Taxi nach Mananthavadi, ganz in der Nähe des Tholpetty-Nationalparks. Auf kurven- und elefantenfreier Strecke ging es im Jeep ohne Türen auf das Plateau der Western-Ghats.

Hier sitzen wir nun, auf fast 800m Höhe. Wir genießen die etwas kühlere Luft! Heute Nachmittag geht es in den Park, wir wollen Tiere sehen. Viele Tiere. Ob‘s klappt?