Irgendwie viel zu schnell waren wir also schon wieder draußen aus Albanien. Aber wir hatten ja unser großes Ziel vor Augen: Mit den Rädern vor unserer Haustüre im Allgäu einrollen – und vorher noch unseren AIDA-Horst in Wien besuchen. Und das bitte bis Anfang Juli. Also nichts wie weiter nach Norden.

Von Barbullush war es nicht mehr weit bis vor die Tore Shkoders. Dieses ließen wir allerdings rechts liegen und folgten der einzig möglichen Straße zur montenegrinischen Grenze. 20 Kilometer ging es ziemlich flach durch dünn besiedeltes Gebiet, dann standen wir an der Doppelgrenze.

Doppelgrenze? Aus- und Einreise an EINEM „Schalter“. Ohne Niemandsland dazwischen. Als sehr praktisch empfanden wir das. Die Pässe wurden einfach auf dem maximal kurzen Dienstweg vom Albaner zum Montenegriner weitergereicht (nämlich über den Schreibtisch). Und schon konnte es weitergehen.

Die Autos wurden moderner, die Straßen deutlich besser, die Cafés stylischer und die Preise höher. Immer noch ziemlich moderat, aber wir fühlten uns schnell wie in „Klein-Kroatien“. Und noch was änderte sich drastisch: der Verkehr. Zunächst ging es noch auf einer angenehm idyllischen Straße durchs Hinterland bis nach Bar und dann 150 Höhenmeter steil hinauf zu einem Traum-Campingplatz zu Füßen einer gewaltigen Bergkulisse. Mächtige, schroffe, graue Wände versperren auch an dieser Stelle den Weg zum Skhoder-See auf der anderen Seite des Massivs.

Eine schöne Strecke sollte sich da entlang schlängeln, bis Cetinje, doch wir wollten mit weniger Höhenmetern schnell voran kommen und entschieden uns für die Küstenstraße: Bar – Budva – Dubrovnik.

So richtig glücklich wurden wir auf dieser Strecke dann allerdings nicht. Es gibt einfach so gut wie keine vernünftige Alternativstrecke, so dass sich der ganze Verkehr auf diesem doch sehr schmalen Teerband trifft. Was letztlich dazu führt, dass man gefühlte 100 000 mal überholt wird. Von LKWs, PKWs, Motorrädern. Immer und immer wieder. Es gibt keinen Seitenstreifen! Und dazu viele, viele Anstiege, oft langgezogen und steil. Und gerne auch mal einen Tunnel. Die Aussicht war wirklich nicht schlecht, nur kamen wir kaum dazu, diese zu genießen, da der Blick eigentlich immer zwischen Rückspiegel und Gegenverkehr pendelte. Für uns Auto-Phobiker wirklich stressig!

Kurz vor Dubrovniks Flughafen erwischte uns dann noch eines der (gottseidank sehr seltenen) Sauwetter, was den Belag sehr rutschig und das radlerische Unterfangen noch gefährlicher machte. Wie aus dem nichts tauchte dann aber zu unserm Glück direkt an der Hauptstraße ein kleiner Campingplatz auf, genau gegenüber einer kleinen, modernen Mall. Perfekt für einen verregneten und kalten Nachmittag.
Am nächsten Morgen kurbelten wir bei Prachtwetter ins berühmte Dubrovnik und waren nach den 20 Kilometern nervlich schon wieder ziemlich am Anschlag. Als wir dann am Hafen die AIDA Bella bestaunten, mit der wir ja aus Indien nach Antalya gefahren waren, kam uns der Zufall zur Hilfe. Ursprünglich wollten wir weiter der Küste folgen, dann nach Orebic und weiter nach Korcula.

Doch wir trafen den dänischen Radler Anton, der soeben ein Ticket für den Catamaran Dubrovnik – Korcula gekauft hatte. Wir waren unglaublich froh zu erfahren, dass wir uns den nächsten Küstenabschnitt im Sattel sparen und gemütlich nach Korcula schippern konnten. Gerne zahlten wir die 15 Euro pro Nase, ließen die Räder in den Transbags verschwinden und uns in zwei Stunden direkt bis in den Hafen von Korcula fahren. Diesen erreichten wir am frühen Abend bei wunderbaren Lichtverhältnissen. Die Sonne verpasste dem verträumten Städtchen einen warm-roten Anstrich, während wir auf einem schmalen Sträßchen an ihr vorbei und schließlich von ihr weg zum Campingplatz rollten.

Direkt am Meer gelegen, fast noch im Winterschlaf, ruhig. Wir trafen dort Anton wieder, der sein Zelt schon aufgeschlagen hatte. Sein Plan war derselbe wie unserer: Korcula durchqueren, dann von Vela Luka eine weiter mit der ein oder anderen Fähre nach Split. Während wir uns etwas mehr Zeit für Korcula nehmen wollten, sah sein Plan einen frühen Aufbruch um 4:30 Uhr morgens vor, um die erste Fähre zu erwischen.  Als wir am nächsten Morgen erwachten, war er längst – im wahrsten Sinne – über alle Berge. Wir ließen es ruhig angehen und wurden in einem kleinen Bergdorf von Blitzen und heftigen Regenschauern erstmal zu einer Doppel-Cappucchino-Pause ver“donnert“.

Dann ging es auf einem schmalen, gerölligen und teils sehr steilen Weg Richtung Pupnat, wo wir äußerst wohlschmeckend in der Konoba Mate einheimische Gerichte schlemmen durften. Wir saßen ziemlich lang bei einem Gespräch mit einem deutschen Radlerpaar und der süffige Weißwein machte die Beine immer schwerer. Gottseidank schloss die Konoba dann zur Nachmittagsstunde und die Bedienung komplementierte uns semi-freundlich zurück auf die Straße. So kamen wir doch noch auf den Weg, was auch gut war, stellten sich uns doch noch ziemlich viele Hügel in den Weg. Gleich hinter Pupnat folgte eine Küstenstraße der Kategorie „Traumstraßen dieser Welt“. Unglaublich toll! Hinfahren, anschauen!!

Durch herrlich grüne Weinberge rollten wir im Abendlicht bis zum Westende der Insel nach Potirna, wo uns ein gemütlicher, uriger Campingplatz erwartete. Alles für die Saison vorbereitet, alles offen, doch, kein einziger Mensch weit und breit. Uns hat‘s gefallen! Und hoffentlich entdecken den Platz in der Sommersaison auch ein paar Menschen. Es lohnt sich.

Am nächsten Morgen fuhren wir recht zügig zum Hafen nach Vela Luka, um nicht eine für uns passende Fähre zu verfehlen. Wir wollten nach Hvar, dann weiter nach Brac und bis Split. Doch die großen Pläne waren schnell verworfen – es gab lediglich eine einzige Fähre: nämlich die nach Split. So fügten wir uns demütig dem Fährplan und lösten zwei Tickets. Mit zwei ostdeutschen Motoradfahren verbrachten wir die Wartezeit bis zum Ablegen und auch die gesamte Überfahrt bei abwechslungsreichen Gesprächen. Immer wieder schön, andere Menschen und deren Geschichten kennenzulernen.

Am späten Nachmittag strampelten wir noch durch die Häuserschluchten und über steile Hügel hinaus aus Split bis nach Trogir.

Weltkulturerbe – folglich touristisch und teuer. Dennoch ganz nett, durch die schmalen Gässchen zu streifen und das griechisch-sarazenisch-kroatisch-venezianische Erbe zu bestaunen.

Wieder mal nervte uns dann der dichte Verkehr in Küstennähe und so wählten wir eine Route durchs Hinterland. Wunderschön ruhig, landschaftlich toll. Nur, würde man wirklich auch dort fahren, wüsste man vorher, dass einen zudem 800 Höhenmeter erwarten? Wahrscheinlich eben schon. Ruhe vor Verkehr, Höhe fast egal – so viel ist eigentlich immer klar.

In Zaboric trafen wir erneut auf die Küste und entdeckten mit dem Camping Jasenovo einen Traumplatz direkt am Meer. Wir blieben drei Nächte.

Dann nahmen wir aber wieder mächtig Fahrt auf, die Zeit drängte, da auch eine instabile Wetterlage im Anmarsch war. Da wir uns nun auch endgültig auf altbekannten Wegen von unserer Balkan-Tour 2011 befanden, fuhren wir ziemlich zügig ohne viel Sightseeing bis Novalja. Von Sibenik ging es vorbei an Zadar hinüber nach Pag und dort bis an die Nordspitze ins Party- und Abschlussfahrts-Mekka.

Hier hofften wir darauf, dass wir den Catamaran nach Rijeka, der eigentlich keine Fahrräder transportiert, mit unseren schwarzen Transbags besteigen würden können, um so elegant, ohne Verkehrsstress und vorbei an Gewittern und Regen nach Rijeka zu gelangen. Um 5:30 Uhr schlichen wir also, alles sauber verpackt, zum Hafen, kauften Tickets und stiegen einfach ein. Kein Problem. Große Erleichterung!

Rijeka erwartete uns zunächst mit Regen (der jedoch rasch nachließ) und mit einer für uns überraschend schönen Altstadt. Damit hatten wir gar nicht gerechnet. Tolle Bauwerke, coole Cafés, authentische China-Restaurants und sympathische Leute vertrieben uns leicht die Zeit bis zur Abfahrt der Bummelzugs Rijeka – Zagreb am frühen Nachmittag.

200 Kilometer in fünf Stunden. Kein berauschender Schnitt, aber für uns Langsam-Reisen-Liebhaber genau der richtige Speed. Die Strecke durch die Berge war landschaftlich und baulich höchst interessant. In endlosen Serpentinen und durch lange Tunnels bahnte sich der Koloss seinen Weg.

Die Zeit schien still zu stehen, wenn die alten Waggons durch die grünen Hügel zuckelten und die Bahnhofsvorsteher in weißen Hemden und mit roter Mütze pfiffen, um die Weiterfahrt freizugeben.

Mit Sonnenuntergang erreichten wir das Camp Zagreb und waren wieder ziemlich erstaunt. Warum? Dazu bald mehr.